Dienstag, 18. Februar 2014

Nicht "Ja" nicht "Nein"

Ein Bürgerentscheid ist ein Stück gelebter Demokratie. Es ist wichtig, dass nicht mehr über die Köpfe der Bürger, sondern mit den Bürgern gesprochen und gestaltet wird.

Im Fall des Wedeler Bürgerentscheids zum Thema "Gesamtbebauungsplan Kraftwerksgelände" gerät dieses Mittel der direkten Demokratie leider zur Farce. Obwohl erst bis Ende 2015 in Hamburg entschieden wird, ob das geplante Gaskraftwerk überhaupt noch errichtet werden soll, sind alle unsere Bemühungen gescheitert. Der Bürgerentscheid wird gegen unseren Willen durchgeführt. Nähere Informationen hierzu befinden sich weiter unten (Überschrift: Eilt).

Sogar die Satire-Sendung "Extra 3" hat einen Beitrag über dieses Thema gesendet:
"Denn einen Bürgerentscheid in seinem Lauf,
halten weder Ochs noch Esel auf"
Wir können Ihnen, liebe Wählerinnen und Wähler aufgrund der derzeitigen Umstände nicht empfehlen, mit "Ja" oder "Nein" zu stimmen.

Kerstin Lueckow, Rolf Schmersahl

Samstag, 1. Februar 2014

EILT!

Am 16. Januar 2014 fand in Hamburg eine Pressekonferenz über die neuen Verträge zwischen der Hansestadt Hamburg und der Vattenfall AG als Ergebnis des Hamburger Volksentscheids statt. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gab bekannt, dass die Stadt auch Alternativen zum geplanten Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) in Wedel prüfen werde. Denkbar wäre sowohl eine Verkleinerung der Anlage als auch eine dezentrale Erzeugung von Heizungswärme für die Haushalte im Westen der Metropole. Erst bis Ende 2015 soll feststehen, ob an den Plänen zum Bau des GuDs festgehalten werden soll.

Die Durchführung des geplanten Bürgerentscheids in Wedel zum Thema "Gesamtbebauungsplan Kraftwerksgelände" halten wir zum jetzigen Zeitpunkt in der vorgegeben 6-Monatsfrist für unsinnig und eine Verschwendung von Steuergeldern. Dieser Gesamtbebauungsplan müsste zwangsläufig ein GuD enthalten, von dem niemand weiß, ob es jemals realisiert wird. Allein die Kosten für die Durchführung der Abstimmung werden auf 32.000 € geschätzt.

Wir haben die Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren für einen Gesamtbebauungsplan Kraftwerksgelände im Juni 2013 gestartet. Zu diesem Zeitpunkt waren komplett andere Rahmenbedingungen gegeben:
  • das beantragte GuD war noch nicht genehmigt
  • der Hamburger Volksentscheid stand noch bevor
  • Vattenfall trieb energisch den Neubau des Gaskraftwerks voran

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Hamburger Planungen wieder völlig offen.

Des Weiteren gibt es immer noch Probleme mit den beiden Stellungnahmen, die den BürgerInnen zusammen mit den Wahlunterlagen zugesandt werden sollen. Wir sehen in der Stellungnahme des Wedeler Rats und unserer, auf Druck des Innenministeriums geänderten Stellungnahme, ein großes Ungleichgewicht. Aufgrund der gesamten Umstände hat unsere Anwaltskanzlei Dr. Fricke & Collegen in Hannover einen Antrag auf einvernehmliche Ruhendstellung gestellt; sprich wir möchten den Bürgerentscheid auf Eis legen, solange der Bau des GuDs nicht entschieden ist.

In einer Mail vom 22. Januar von der Stadtjustiziarin Frau Gärke wurde uns mitgeteilt, dass das Innenministerium eine Ruhendstellung ablehnt. Daraufhin hat Herr Dr. Fricke unsere Position in einer eiligen Stellungnahme noch einmal verdeutlicht. Das Innenministerium hat uns als Antwort mitgeteilt, dass wir den Bürgerentscheid weder aussetzen noch absagen könnten: "Wenn die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids erst erklärt wurde, gibt es kein zurück mehr ..." (Thomas Giebeler, Pressesprecher Innenministerium laut Hamburger Abendblatt, 30.01.2014).

Wir gehen davon aus, dass die BürgerInnen derzeit keinen unnötigen Bürgerentscheid durchführen wollen und suchen weiter nach einem Weg. Wir sehen hier in erster Linie den offiziellen Wahlleiter, Bürgermeister Niels Schmidt, in der Pflicht.

Dokumente:

Freitag, 10. Januar 2014

Vertagt!

Der Wedeler Bürgerentscheid wurde heute auf Antrag unseres Anwalts Dr. Fricke verschoben. Die Stadt Wedel hat zugestimmt. Ein neuer Termin muss vereinbart werden.

Was ist der Grund für die Verschiebung? Auf Beschwerde der Stadt Wedel über unsere eingereichten Unterlagen zum Bürgerentscheid hat das Innenministerium verfügt, dass unsere Stellungnahme geändert werden muss. Uns wurde gestern Nachmittag eine Frist zur Erstellung neuer Unterlagen bis heute Mittag 12:00 Uhr gesetzt. Die Unterlagen sollten am Montag in den Druck gehen. Der Druck wird von der Verwaltung der Stadt Wedel veranlasst.

Das Innenministeriums von Schleswig-Holstein hat vorgetragen, dass der "Grundsatz der Waffengleichheit" nicht gegeben sei. Unsere Unterlagen für den Entscheid wären wegen des "Zusammenwirkens von „sehr pointierter“ Wortwahl, optischer Gestaltung (Bilder/Textkästen/Zitate etc.), Verwendung von Wahlslogans und einer – auch durch optische Merkmale verstärkten – Abstimmungsaufforderung eindeutig als Wahlkampf-Flyer zu bewerten".

Natürlich können wir nicht von gestern Nachmittag auf heute Mittag neue Unterlagen erstellen. Auch ist Grundsätzliches zu klären, warum unsere Unterlagen nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Obwohl die GO Gemeindeordnung von Schleswig-Holstein einen gleichen Umfang der Stellungnahmen (Rat der Stadt/Vertretungsberechtigte) vorsieht, hat die Stadt insgesamt 14 Seiten angefertigt und verwendet auch Fotos vom Kraftwerk. Eine Einigung auf eine Textlänge war im Vorfeld mit der Verwaltung nicht möglich, da die Stadt entgegen unserer Vorstellung eine Kurz- und eine Langfassung erstellt und in die politischen Gremien eingebracht hat. Wir möchten nur einen Text für alle BürgerInnen. Hier stellt sich natürlich auch die Frage der "Waffengleichheit".

Wir haben uns mit unserem Layout an anderen Unterlagen für Bürgerentscheide orientiert (z.B. Hamburger Volksentscheid). Besonders ärgerlich daran ist, dass im Vorfeld auf Nachfrage beim Innenministerium keine Vorgaben zum Erstellen eines Layouts gemacht wurden.

Also, bitte diesen Link teilen. Da gibt es keine Untersagungen!
Kerstin Lueckow, Rolf Schmersahl